Franz Josef Oelmann

 

 

Michael Sandien

Unbeeinflußt von den Moden des Kunstmarkts entwickelte der Maler Michael Sandien als Autodidakt seine eigene Form der lyrischen Abstraktion. Seine Bildsprache reicht von bewusst naiven Darstellungen bis zum reinen Informel. Während in seinem Frühwerk noch narrative und poetische Motive vorherrschen, die oftmals an Kinderzeichnungen erinnern, weisen seine jüngeren Arbeiten kaum noch figurative Elemente auf.

Sandien arbeitet oft auf Sperrholzplatten, die seinen zum Teil brachialen Techniken entgegenkommen. Gerne bearbeitet er auch bereits von anderen Künstlern gestaltete Tafelbilder. Grundsätzlich im Fortgang der Bildwerdung ist das Wechselspiel zwischen Auf- und Abtragen von Ölfarbe, weißem Latex und Schellack. Sandien versucht sich während des Malprozesses in einen tranceartigen Zustand zu versetzen und den kognitiven Faktor möglichst auszuschalten. Farbe wird auf den Bildträger geschleudert, das Licht während des Malvorgangs ausgeschaltet oder Füße statt Hände werden zur Pinselführung eingesetzt.

Der Zufall darf jedoch nicht mit Willkür verwechselt werden. Michael Sandien arbeitet sich an seinen Bildern ab. Die vermeintliche Leichtigkeit wechselt mit mühseligen Verbesserungs- und Ergänzungstätigkeiten. Ziel des Prozesses ist eine maximale Dynamik im fertigen Bild, eine Dynamik, die sich sowohl im Aufruhr der Formen als auch in kontemplativer Ruhe äußern kann. Doch Sandien verfolgt in der reinen Abstraktion das Ideal einer Naturästhetik. Querformate begreift er als Landschaften, Hochformate als Figuren. Ein Bild betrachtet er nur dann als gelungen, wenn er in ihm das Echo der Schöpfung erahnen kann. Es ist die Hoffnung, sich mit den Mitteln der Malerei das Wesen der Natur begreiflich zu machen.

Franz Josef Oelmann im März 2012